Das Deutsche Fernsehballett besteht nun 50 Jahre und das dürfte Weltrekord sein. Spezielle Ballett-Truppen für Fernseh-Shows entstanden in den 60er Jahren als deutlich wurde, dass ein „Abfilmen“ von bestehenden Revueballetten in Theatern, quasi im UFA-Stil, nicht mehr zeitgemäß war. Die TV-Unterhaltung entwickelte eine eigene Ästhetik. Es gab verschiedene TV-Tanz-Projekte aber nur das Deutsche Fernsehballett hat die unzähligen kulturellen und politischen Umbrüche der vergangenen 50 Jahre überlebt. Warum? Dieses Ballett hat sich immer wieder neu erfunden. Das Deutsche Fernsehballett tanzte mit dem Zeitgeist erfolgreich durch die Jahrzehnte.
Um derart große „Sprünge“ machen zu können, bedurfte es immer wieder Menschen, die an das Projekt „Fernsehballett“ geglaubt haben und dafür auch Risiken auf sich nahmen. Da waren ab 1962 die Gründer, die Akteure, die Macher und die Stars. Sie retteten das Ensemble mehr als einmal vor politischer Willkür und künstlerischer Intoleranz.
Ihren wahrscheinlich größten Auftritt hatte Ballett-Ikone Emöke Postenyi wahrscheinlich nicht als Solistin oder Choreographin, sondern, als sie 1991 den Fernsehpreis Telestar bekam. In ihrer Dankesrede warb sie vor der versammelten gesamtdeutschen Prominenz mit ihrem gefürchteten ungarischen Temperament für das Existenzrecht ihrer Truppe. Im Ergebnis kam es zur Neugründung des Deutschen Fernsehballetts unter dem Dach des Mitteldeutschen Rundfunks. Wesentlich beteiligt war der erste Fernsehdirektor des neuen Senders, Henning Röhl. Er hatte dem Ballett eine Bestandsgarantie bis zum Jahr 2000 gegeben. Der MDR hat sein Wort mehr als eingehalten.
2012 haben sich die Rahmenbedingungen und die Medienlandschaft wieder einmal verändert. Das Ballett hat bewiesen, wie flexibel und experimentierfreudig es in künstlerischer Hinsicht arbeitet. Wirtschaftlich sollten nun ebenfalls neue Wege gesucht werden, denn eine Anstalt wie der MDR kann selbst für seine schönste Tochter nicht bis in alle Ewigkeit zuständig sein. Der Sender muss sich irgendwann um neuen Nachwuchs kümmern, sein „Kind“ Fernsehballett ist 20 und durchaus in der Lage, auf eigenen Beinen zu stehen bzw. zu tanzen.
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